Neu Welcher Blitzer hat mich geblitzt? So finden Sie das Messgerät
Straßenverkehr in Köln-Deutz als Symbolbild zum neuen Blitzer am Herkulestunnel
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Neuer Blitzer im Herkulestunnel: Anwalt erklärt, worauf es jetzt ankommt

Oliver Godolt, Fachredakteur für Verkehrsrecht bei Blitzerkatalog.org
Oliver Godolt Fachredakteur für Verkehrsrecht

Seit dem 28. Oktober 2026 blitzt am Kölner Herkulestunnel eine neue Messsäule auf allen drei Fahrspuren. Rechtsanwalt Andreas Junge erklärt, was Autofahrer wissen müssen und wo Messungen angreifbar sein können.

Straßenverkehr in Köln-Deutz als Symbolbild zum neuen Blitzer am Herkulestunnel
Symbolbild: Straßenverkehr in Köln. Seit dem 28. Oktober 2026 wird am Herkulestunnel Richtung A57 geblitzt.

Blitzer im Herkulestunnel: Das Wichtigste

  • Ort: am Herkulestunnel in Köln, Kreisstraße 4, Höhe Ausfahrt Ehrenfeld.
  • Richtung: A57 / Kreuz Köln-Nord.
  • Start: 28. Oktober 2026.
  • Tempolimit: 50 km/h.
  • Überwacht: alle drei Fahrspuren.
  • Zweite Anlage: Richtung Innenstadt empfohlen, Starttermin noch offen.
  • Verjährung: seit 1. Juli 2026 sechs Monate ab der Messung.

Am Kölner Herkulestunnel wird seit Mittwoch, 28. Oktober 2026, geblitzt: Eine neue Messsäule überwacht auf der Kreisstraße 4, dem Zubringer zur A57, alle drei Fahrspuren in Richtung Kreuz Köln-Nord. Erlaubt sind 50 km/h.

Die Unfallkommission Köln aus Polizei, Bezirksregierung, Straßen.NRW und Stadt hat die Anlage empfohlen, nachdem es in den vergangenen zwölf Monaten zwei tödliche Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit gegeben hatte. Bei Kontrollmessungen der Stadt waren Richtung Autobahn knapp 88 Prozent der Fahrzeuge zu schnell, der Höchstwert lag bei 220 km/h.

Wir haben Rechtsanwalt Andreas Junge gefragt, was Autofahrer jetzt wissen müssen und wo eine Messung am Tunnel angreifbar sein kann.

Warum im Herkulestunnel nur Tempo 50 gilt

Erlaubt waren hier früher 80 km/h. Seit 2013 gilt Tempo 50, weil Beleuchtung, Entrauchung und Fluchtwege im Tunnel nicht mehr den europäischen Sicherheitsvorgaben entsprechen. Die geplante Sanierung wurde mehrfach verschoben. Daran gehalten hat sich kaum jemand: Bei acht Tagen Radarmessung im Februar 2026 waren laut Kölner Stadt-Anzeiger von rund 250.000 Fahrzeugen 76,9 Prozent zu schnell, im Schnitt fuhren sie 84 km/h. 16.577 Fahrer wären mit einem Fahrverbot belegt worden, wenn die Messung geahndet worden wäre.

Mobile Blitzer kann die Stadt an dieser Stelle nicht einsetzen. Auf autobahnähnlichen Straßen darf sie nur fest installierte Anlagen betreiben, mobil messen darf dort ausschließlich die Polizei.

Herr Junge, ist der Standort aus Ihrer Sicht nachvollziehbar?

„Ja. Wenn bei Kontrollmessungen fast neun von zehn Fahrzeugen zu schnell sind und es zwei tödliche Unfälle gab, ist das eine echte Gefahrenstelle. Ein Tunnel verzeiht wenig: kaum Ausweichraum, wechselndes Licht, enge Spuren. Dass die Unfallkommission hier eine feste Anlage empfiehlt, halte ich für gut begründet.“

Was kostet es, wenn man am Herkulestunnel geblitzt wird?

„Es gilt der Bußgeldkatalog für innerorts. Ab 21 km/h zu viel sind es 115 Euro und ein Punkt. Ab 31 km/h zu viel kommen 260 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot hinzu. Bei mehr als 70 km/h zu viel sind es 800 Euro, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot. Bei extremen Werten wie den gemessenen 220 km/h kann außerdem Vorsatz angenommen werden, dann erhöht sich das Bußgeld.“

Zu schnell (innerorts) Bußgeld Punkte Fahrverbot
21–25 km/h115 Euro1–
26–30 km/h180 Euro1(1 Monat)*
31–40 km/h260 Euro21 Monat
41–50 km/h400 Euro21 Monat
51–60 km/h560 Euro22 Monate
61–70 km/h700 Euro23 Monate
über 70 km/h800 Euro23 Monate

*Fahrverbot bei 26–30 km/h nur, wenn innerhalb eines Jahres zweimal 26 km/h oder mehr zu schnell gefahren wurde. Regelsätze nach Bußgeldkatalog, zzgl. Gebühren und Auslagen.

Wer genau nachrechnen will, findet die Strafen für jede Stufe auch in unserem Bußgeldkatalog für innerorts.

Die Anlage überwacht drei Spuren gleichzeitig. Ist das ein Problem?

„Technisch ist das vorgesehen, rechtlich ist es ein Punkt, den ich mir genau ansehe. Fahren mehrere Fahrzeuge nebeneinander durch den Messbereich, muss der Messwert eindeutig dem richtigen Fahrzeug zugeordnet sein. Dafür gibt es auf dem Messfoto Hilfsmittel wie den Auswerterahmen. Sitzt er nicht korrekt oder ist das Foto nicht eindeutig, kann die Messung angreifbar sein.“

Mehrere Fahrzeuge auf dem Foto? Dann lohnt ein genauer Blick darauf, ob der Messwert wirklich dem eigenen Fahrzeug zugeordnet ist. Das lässt sich über die Akteneinsicht prüfen.

Gibt es am Tunnel Besonderheiten bei der Messung?

„Die Lichtverhältnisse sind eine. Das Foto muss den Fahrer so zeigen, dass er sicher erkannt werden kann. Bei schlechter Ausleuchtung oder Reflexionen ist das nicht immer der Fall. Außerdem lohnt ein Blick auf die Beschilderung: Steht das 50er-Schild in ausreichendem Abstand vor der Messstelle? Die Verwaltungsvorschriften der Länder sehen hier Mindestabstände vor.“

Die Stadt hat die Anlage nur gemietet. Spielt das eine Rolle?

„Die Miete allein macht eine Messung nicht unwirksam. Entscheidend ist, dass die Stadt Herrin des Verfahrens bleibt: Sie muss die Messung verantworten, die Daten auswerten und den Bescheid erlassen. Übernimmt ein privater Anbieter mehr als reine Technik, etwa die Auswertung, haben Gerichte das in der Vergangenheit beanstandet. Wer betroffen ist, sollte deshalb fragen, wer die Daten ausgewertet hat.“

Die Stadt hat die Messsäule zunächst bis 28. Februar 2027 gemietet, die Kosten liegen bei rund 37.000 Euro. Den Strom liefert eine Brennstoffzelle.

Vor dem Start hat die Anlage auch unter 50 km/h ausgelöst. Was tun, wenn trotzdem Post kommt?

„Dann zuerst Tatzeit und Messwert prüfen. Die Stadt hat zugesagt, Auslösungen aus der Einstellphase nicht zu verfolgen. Kommt dennoch ein Anhörungsbogen für eine Fahrt vor der Scharfschaltung, sollte man das schriftlich rügen und die Messunterlagen anfordern.“

Wie lange hat die Bußgeldstelle Zeit, den Verstoß zu ahnden?

„Seit dem 1. Juli 2026 hat die Bußgeldstelle dafür sechs Monate ab dem Tag der Messung, früher waren es nur drei. Bestimmte Maßnahmen unterbrechen die Frist, etwa die Anhörung des Betroffenen oder der Erlass des Bußgeldbescheids. Dann beginnen die sechs Monate neu, spätestens nach zwei Jahren ist aber in der Regel Schluss. Wichtig: Die Unterbrechung wirkt nur gegenüber dem tatsächlichen Fahrer. Geht der Anhörungsbogen an den Halter und saß jemand anderes am Steuer, läuft die Frist für den Fahrer weiter. Ob ein Verstoß verjährt ist, sollte man deshalb immer anhand der Daten in der Akte nachrechnen lassen.“

Was raten Sie jemandem, der am Herkulestunnel geblitzt wurde?

„Ruhe bewahren und keine vorschnellen Angaben zur Sache machen. Auf dem Anhörungsbogen müssen nur die Angaben zur Person gemacht werden. Gegen einen Bußgeldbescheid gilt eine Einspruchsfrist von zwei Wochen ab Zustellung. Bei drohendem Fahrverbot oder hohem Bußgeld lohnt fast immer die Akteneinsicht: Messprotokoll, Eichschein, Schulungsnachweis und die Messdaten selbst.“

Lohnt sich ein Einspruch bei einer neuen Anlage überhaupt?

„Das hängt vom Einzelfall ab. Bei neuen Anlagen schaue ich besonders auf Aufbau, Eichung und Dokumentation der Inbetriebnahme. Wer eine Verkehrsrechtsschutzversicherung hat, trägt bei einer Prüfung in der Regel kein Kostenrisiko.“

Zweiter Blitzer Richtung Innenstadt folgt

Der Blitzer Richtung A57 ist nur der Anfang. Die Unfallkommission hat auch die Überwachung der Gegenrichtung Richtung Innenstadt empfohlen. Wann diese Anlage in Betrieb geht, kann die Stadt laut eigener Mitteilung noch nicht sagen, das werde verwaltungsintern abgestimmt. Auch in dieser Richtung zeigten die Kontrollmessungen ein deutliches Bild: Fast 77 Prozent der Fahrzeuge waren zu schnell, der Spitzenwert lag bei 206 km/h.

Den genauen Standort, Tempolimit und Fahrtrichtung finden Sie auf unserer Seite zum Blitzer im Herkulestunnel. Weitere Messstellen in der Stadt zeigt unsere Übersicht Blitzer in Köln.

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