Neu Neue Blitzer im Kreis Vechta: Lohne und Goldenstedt starten im November, B 69 erst 2027
Rote Ampel an einer Straßenkreuzung

Rotlicht­verstoß: Aktuelle Bußgelder 2026

Hier finden Sie die Strafen aus dem aktuellen Bußgeldkatalog 2026 unterteilt nach Länge der Rotphase, Informationen zu Ampelblitzern und möglichen Messfehlern und können kostenlos einen Einspruch prüfen.

Verstoß
Punkte Fahrverbot
Rotlichtverstoß unter 1 Sek. 90 € 1 -
... mit Gefährdung 200 € 2 1 Monat
... mit Sachbeschädigung 240 € 2 1 Monat
Rotlichtverstoß über 1 Sek. 200 € 2 1 Monat
... mit Gefährdung 320 € 2 1 Monat
... mit Sachbeschädigung 360 € 2 1 Monat

PunkteFahrverbot

Vergehen Bußgeld P FV
< 1 Sekunde 90 € 1 -
mit Gefährdung 200 € 2 1 M.
mit Beschädigung 240 € 2 1 M.
> 1 Sekunde 200 € 2 1 M.
mit Gefährdung 320 € 2 1 M.
mit Beschädigung 360 € 2 1 M.

PunkteFahrverbot

Wann liegt ein Rotlichtverstoß vor?

Ein Rotlichtverstoß nach § 37 StVO liegt vor, wenn ein Fahrzeug bei Rot in den geschützten Bereich der Ampel einfährt, also in die Kreuzung, die Einmündung oder den Fußgängerüberweg, den die Ampel sichert. Die Sanktionen richten sich nach Nr. 132 des Bußgeldkatalogs.

Für die Höhe der Strafe kommt es auf drei Fragen an: Wie lange zeigte die Ampel bereits Rot? Wurde jemand gefährdet oder etwas beschädigt? Und wurde nur die Haltelinie überfahren oder tatsächlich der geschützte Bereich erreicht?

Einfacher oder qualifizierter Verstoß: Die 1-Sekunden-Grenze

Die wichtigste Grenze im Bußgeldkatalog ist eine Sekunde. Gemessen wird die Zeit vom Beginn der Rotphase bis zu dem Moment, in dem das Fahrzeug die Haltelinie überfährt.

  • Einfacher Rotlichtverstoß (unter 1 Sekunde): 90 € und ein Punkt. Ein Fahrverbot ist nicht vorgesehen, solange niemand gefährdet oder nichts beschädigt wurde.
  • Qualifizierter Rotlichtverstoß (ab 1 Sekunde): 200 €, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Mit Gefährdung steigt das Bußgeld auf 320 €, mit Sachbeschädigung auf 360 €.

Gerade beim qualifizierten Verstoß entscheiden oft Zehntelsekunden über das Fahrverbot. Deshalb kommt es darauf an, wie genau die Rotzeit gemessen und dokumentiert wurde und wo die Messpunkte liegen. Gerichte müssen dazu konkrete Feststellungen treffen.

In Ausnahmefällen kann das Gericht vom Fahrverbot absehen und stattdessen das Bußgeld erhöhen. Ein bekanntes Beispiel ist der sogenannte Mitzieheffekt: Der Fahrer fährt an, weil die Nachbarspur Grün bekommt, und übersieht dabei, dass seine eigene Ampel noch Rot zeigt. Ob das im Einzelfall reicht, hängt von den genauen Umständen ab.

Nur die Haltelinie überfahren: Haltelinienverstoß statt Rotlicht

Wer bei Rot zwar über die Haltelinie rollt, aber noch vor der Kreuzung oder dem Fußgängerüberweg anhält, begeht keinen Rotlichtverstoß. Es fehlt am Einfahren in den geschützten Bereich. Stattdessen liegt ein Haltelinienverstoß vor.

Haltelinienverstoß Bußgeld Punkte Fahrverbot
Haltelinie bei Rot überfahren 10 € - -
... mit Gefährdung 70 € 1 -

Der Unterschied ist erheblich: Statt 200 €, zwei Punkten und Fahrverbot bleibt es im Regelfall bei einem Verwarnungsgeld. Ob das Fahrzeug den geschützten Bereich erreicht hat, lässt sich oft nur anhand der Fotos und der genauen Lage von Haltelinie und Kreuzung beurteilen.

Gelb heißt anhalten: Was bei der Gelbphase gilt

Gelb ist kein „gerade noch Grün“. Nach § 37 StVO ordnet Gelb an, vor der Kreuzung auf das nächste Zeichen zu warten. Wer gefahrlos bremsen kann, muss also anhalten. Nur wer bei Gelb nicht mehr sicher vor der Haltelinie zum Stehen kommt, darf weiterfahren.

Wer bei Gelb noch beschleunigt und dann bei Rot über die Linie fährt, riskiert mehr als den Regelsatz. Gerichte werten das unter Umständen als vorsätzlich, und dann kann das Bußgeld deutlich höher ausfallen.

Grünpfeil: Erst anhalten, dann abbiegen

Der grüne Blechpfeil neben der Ampel erlaubt das Rechtsabbiegen trotz Rot, aber nur nach einem vollständigen Halt an der Haltelinie. Wer ohne anzuhalten abbiegt, verstößt gegen die Grünpfeil-Regel.

Grünpfeil-Verstoß Bußgeld Punkte Fahrverbot
Vor dem Abbiegen nicht angehalten 70 € 1 -
... mit Gefährdung des Querverkehrs 100 € 1 -
Fußgänger oder Radfahrer behindert 100 € 1 -
Fußgänger oder Radfahrer gefährdet 150 € 1 -

Ohne das Grünpfeil-Schild gilt beim Rechtsabbiegen ganz normal Rot. Wer dann abbiegt, begeht einen Rotlichtverstoß. Etwas anderes ist ein grüner Pfeil, der in der Ampel selbst leuchtet: Er gibt die Fahrt frei, anhalten muss man dann nicht.

Rote Ampel mit dem Fahrrad

Auch Radfahrer begehen bei Rot einen Rotlichtverstoß. Die Bußgelder sind niedriger als beim Auto, einen Punkt gibt es aber trotzdem. Ein Fahrverbot ist für Radfahrer in der Regel nicht vorgesehen.

Fahrrad Bußgeld Punkte
Unter 1 Sekunde Rot60 €1
... mit Gefährdung100 €1
... mit Sachbeschädigung120 €1
Ab 1 Sekunde Rot100 €1
... mit Gefährdung160 €1
... mit Sachbeschädigung180 €1

So messen Ampelblitzer

Wie lange die Ampel bereits Rot zeigte, halten Ampelblitzer fest. Sie sind mit der Ampelsteuerung verbunden und erfassen Fahrzeuge meist über Induktionsschleifen in der Fahrbahn oder über Sensoren.

  • Erstes Foto: Es entsteht beim Überfahren der Haltelinie. Eingeblendet ist, wie lange die Ampel zu diesem Zeitpunkt bereits Rot zeigte.
  • Zweites Foto: Es zeigt das Fahrzeug im Kreuzungsbereich und belegt, dass es tatsächlich in den geschützten Bereich eingefahren ist.
  • Polizeiliche Beobachtung: Ohne Blitzer kann ein Rotlichtverstoß auch durch Polizeibeamte festgestellt werden. Für die Ein-Sekunden-Grenze gelten dann hohe Anforderungen an die Beobachtung.

Fehlt das zweite Foto oder ist auf den Aufnahmen nicht klar erkennbar, wo das Fahrzeug stand, kann das für die Abgrenzung zum Haltelinienverstoß entscheidend sein.

Rotlichtverstoß in der Probezeit: Folgen und Risiken

Für Fahranfänger wiegt ein Rotlichtverstoß besonders schwer, da der Gesetzgeber hier eine strikte Null-Toleranz-Politik verfolgt. Wer noch in der zweijährigen (oder bereits verlängerten) Probezeit über eine rote Ampel fährt, begeht einen sogenannten A-Verstoß. Das bedeutet, dass neben den regulären Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog zwingend fahrerlaubnisrechtliche Maßnahmen folgen, die den Führerschein langfristig gefährden können.

  • Erster A-Verstoß: Die Probezeit verlängert sich automatisch um zwei weitere Jahre. Zusätzlich ordnet die Behörde die Teilnahme an einem kostenpflichtigen Aufbauseminar (ASF) an.
  • Zweiter A-Verstoß: Nach der Teilnahme am Aufbauseminar führt ein erneuter Rotlichtverstoß zu einer schriftlichen Verwarnung und der Empfehlung einer verkehrspsychologischen Beratung.
  • Dritter A-Verstoß: Wer trotz der vorherigen Maßnahmen erneut auffällt, muss mit dem sofortigen Entzug der Fahrerlaubnis rechnen. Eine Neuerteilung ist dann meist erst nach einer Sperrfrist möglich.

Da die Kosten für das Aufbauseminar und die drohende Probezeitverlängerung eine erhebliche Belastung darstellen, lohnt es sich für Fahranfänger fast immer, den Vorwurf fachkundig prüfen zu lassen.

Nach dem Rotlichtverstoß: So läuft das Verfahren ab

  • Anhörungsbogen oder Zeugenfragebogen: Zuerst klärt die Bußgeldstelle, wer gefahren ist. Angaben zur Sache müssen Sie als Betroffener grundsätzlich nicht machen.
  • Verjährung: Seit dem 1. Juli 2026 beträgt die Verfolgungsverjährung bei den üblichen Verkehrsordnungswidrigkeiten grundsätzlich sechs Monate. Bestimmte Verfahrenshandlungen können sie unterbrechen.
  • Bußgeldbescheid: Darin stehen Tatvorwurf, Beweismittel, Bußgeld, Punkte und ein mögliches Fahrverbot.
  • Einspruch: Gegen den Bußgeldbescheid können Sie innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch einlegen. Bleibt die Behörde bei ihrer Entscheidung, geht das Verfahren an das Amtsgericht.

Studie: 56% der Bußgeldbescheide weisen Fehler auf

Eine Analyse von knapp 14.783 Bußgeldbescheiden zeigt, dass über die Hälfte der Fälle Messfehler oder Formfehler der Behörden enthalten.

Beweismängel 25%
Geringe Mängel (Formfehler) 23%
Falscher Tatvorwurf 8%
Datenquelle: VUT-Studie (14.783 untersuchte Fälle)
  • Beweisführung mangelhaft (25%): Die Messung ist aufgrund nicht übertragener Rohmessdaten, einer abgelaufenen Eichung oder eines lückenhaften Messprotokolls fehlerhaft.
  • Geringe Fehler (23%): Der Bußgeldbescheid enthält formelle Verfahrensfehler, wie unklare Angaben zum Beweismittel oder eine abgelaufene Frist.
  • Falscher Tatvorwurf (8%): Eine falsche Zuordnung des Fahrzeugs oder des Fahrers sowie fehlerhafte Messwerte gehören zu dieser Kategorie.

Rotlichtverstoß in der Praxis: Wichtige Gerichtsurteile

Ein Rotlichtverstoß wird von Gerichten oft sehr individuell bewertet. Um Ihre Erfolgschancen bei einem Einspruch besser einschätzen zu können, sollten Sie diese sechs wegweisenden Entscheidungen kennen:

  • Vorsatz durch Beschleunigen: Wer bei Gelb Gas gibt und dann bei Rot über die Linie fährt, handelt vorsätzlich. Das Bußgeld kann hierbei verdoppelt werden (KG Berlin, Az.: 3 Ws (B) 131/21).
  • Stau in der Kreuzung: Wenn Sie bei Grün einfahren, aber verkehrsbedingt halten müssen, dürfen Sie nach dem Umschalten auf Rot nicht einfach weiterfahren (KG Berlin, Az.: 3 Ws (B) 354/21).
  • Spurwechsel-Tricks: Wer eine rote Linksabbiegerspur nutzt, um dann über die grüne Geradeausspur an wartenden Autos vorbeizuziehen, begeht dennoch einen Rotlichtverstoß (OLG Brandenburg, Az.: 2 OLG 53 Ss-OWi 462/21).
  • Kein SUV-Zuschlag: Ein höheres Bußgeld allein aufgrund der Fahrzeuggröße (SUV) ist unzulässig, solange keine konkrete Gefahr vorlag (OLG Frankfurt, Az.: 3 Ss-OWi 1048/22).
  • Fehlende Messdaten: Eine Verurteilung ist unwirksam, wenn das Gericht keine genauen Angaben zur Rotlichtdauer und zur Lage der Messpunkte macht (OLG Karlsruhe, Az.: 3 ORbs 330 SsBs 218/24).
  • Polizeiliche Schätzung: Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Polizeibeamte die Dauer der Rotphase schätzen, allerdings müssen hierbei hohe Anforderungen an die Beobachtung erfüllt sein.

Häufige Fragen zum Rotlichtverstoß

Was ist der Unterschied zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Rotlichtverstoß?

Zeigt die Ampel beim Einfahren in den geschützten Bereich noch nicht länger als eine Sekunde Rot, wird regelmäßig von einem einfachen Rotlichtverstoß gesprochen. Dauert die Rotphase bereits länger als eine Sekunde, wird der Verstoß üblicherweise als qualifiziert bezeichnet. Eine konkrete Gefährdung oder Sachbeschädigung erhöht die Sanktionen zusätzlich.

Welche Strafe droht, wenn die Ampel länger als eine Sekunde Rot war?

Der Bußgeldkatalog sieht bei einer bereits länger als eine Sekunde andauernden Rotphase grundsätzlich 200 Euro, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot vor. Bei Gefährdung steigt das Regelsatz-Bußgeld auf 320 Euro, bei Sachbeschädigung auf 360 Euro.

Ist das Überfahren der Haltelinie schon ein Rotlichtverstoß?

Nicht zwingend. Wird bei Rot lediglich die Haltelinie überfahren, das Fahrzeug aber noch vor dem durch die Ampel geschützten Verkehrsbereich angehalten, kann ein Haltelinienverstoß vorliegen. Der Bußgeldkatalog sieht für das bloße Nichtanhalten an der Haltelinie grundsätzlich 10 Euro vor.

Ist ein Rotlichtverstoß in der Probezeit ein A-Verstoß?

Ja. Verstöße gegen die Vorschriften zu Wechsellichtzeichen nach § 37 StVO gehören nach Anlage 12 FeV zu den schwerwiegenden Zuwiderhandlungen. Bei einem ersten relevanten A-Verstoß können deshalb zusätzlich zur eigentlichen Sanktion ein Aufbauseminar und die Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre folgen.

Wie lange kann ein Rotlichtverstoß verfolgt werden?

Für die üblichen Verkehrsordnungswidrigkeiten nach § 24 Absatz 1 StVG beträgt die Verfolgungsverjährung seit dem 1. Juli 2026 grundsätzlich sechs Monate. Bestimmte Verfahrenshandlungen können die Verjährung jedoch unterbrechen; danach beginnt die Frist für die betroffene Person grundsätzlich neu.

Kann ein Rotlichtverstoß auch ohne Ampelblitzer geahndet werden?

Ja. Ein Rotlichtverstoß kann auch durch andere Beweismittel festgestellt werden, etwa durch die Beobachtung von Polizeibeamten. Entscheidend ist, ob der konkrete Verstoß und – wenn für die Sanktion relevant – die Dauer der Rotphase ausreichend sicher festgestellt werden können.

Was kann bei einem gemessenen Rotlichtverstoß geprüft werden?

Je nach Messverfahren können unter anderem die dokumentierte Rotzeit, die Zuordnung der Aufnahmen zum Fahrzeug, die Lage von Haltelinie und geschütztem Bereich, die Gerätekonfiguration sowie Mess- und Verfahrensunterlagen relevant sein. Welche Punkte tatsächlich entscheidend sind, hängt vom eingesetzten System und vom konkreten Tatvorwurf ab.