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TraffiStar S350 als Blitzersäule am Straßenrand

TraffiStar S350: Messfehler, Rohmessdaten & Einspruch beim Laserblitzer

Der TraffiStar S350 gehört zu den am häufigsten eingesetzten Lasermessgeräten in Deutschland – als feste Säule, als Blitzeranhänger oder mobil. Erfahren Sie, wie das Gerät misst, was die Gerichte zu den Rohmessdaten sagen und welche Punkte bei Ihrer Messung geprüft werden können.

TraffiStar S350 als Blitzersäule am Straßenrand
TraffiStar S350 als Blitzersäule

TraffiStar S350: Der Laserblitzer von Jenoptik

Der TraffiStar S350 stammt von der Jenoptik AG und misst die Geschwindigkeit mit einem Laserscanner (LiDAR). Anders als der TraffiStar S330, der über Sensoren in der Fahrbahn arbeitet, braucht der S350 keine Eingriffe in die Straße. Deshalb lässt er sich in feste Säulen einbauen, in Blitzeranhängern betreiben oder mobil aufstellen.

Der S350 war lange eines der meistdiskutierten Messgeräte, weil er sogenannte Rohmessdaten nicht speichert. Diese Debatte ist inzwischen entschieden: Der Bundesgerichtshof hat 2026 klargestellt, dass fehlende Rohmessdaten eine Messung nicht unverwertbar machen – und seitdem gilt das auch im Saarland. Messungen mit dem S350 sind damit bundesweit ein standardisiertes Messverfahren. Entscheidend für einen Einspruch sind konkrete Fehler bei Aufstellung, Bedienung, Eichung und Auswertung.

Steckbrief TraffiStar S350
HerstellerJenoptik AG
MessverfahrenLasermessung (LiDAR) mit Laserfächer über die Fahrbahn
Messbereich20 bis 50 Meter vor dem Gerät, Messfeld mindestens 10 Meter
Fahrstreifenbis zu fünf Fahrstreifen, auch beide Fahrtrichtungen
Einsatzfeste Säule, Blitzeranhänger (Enforcement Trailer) und mobil
DokumentationBeweisfoto mit Auswerterahmen, signierter Falldatensatz
Rohmessdatenwerden nicht gespeichert
Toleranzabzugbis 100 km/h: 3 km/h, darüber 3 % (mehr dazu)
Rechtliche Einordnungstandardisiertes Messverfahren, bundesweit bestätigt durch den BGH 2026 (mehr dazu)

Funktionsweise: Laserfächer und Laufzeitmessung

Der S350 sendet einen Fächer aus gebündelten Laserimpulsen über die Fahrbahn. Trifft ein Impuls auf ein Fahrzeug, wird er reflektiert. Aus der Laufzeit des Lichts ergibt sich die Entfernung. Weil das Gerät diese Entfernungsmessung sehr schnell wiederholt, kann es aus der Veränderung der Entfernung über die Zeit die Geschwindigkeit berechnen.

Gemessen werden darf nur in einem festgelegten Bereich von 20 bis 50 Metern vor dem Gerät, und das Messfeld muss mindestens 10 Meter lang sein. Das Gerät soll möglichst quer zur Fahrtrichtung ausgerichtet sein. Weicht der Aufstellwinkel ab, verändert sich der Messwert. Der S350 kann bis zu fünf Fahrstreifen gleichzeitig überwachen und dabei Lkw und Pkw unterscheiden.

Liegt die Geschwindigkeit über dem Grenzwert, löst die Kamera aus. In der Auswertesoftware wird über das Beweisfoto ein Auswerterahmen gelegt: Er muss vollständig sichtbar sein, einen Teil der Fahrzeugfront zeigen und darf kein zweites Fahrzeug derselben Fahrtrichtung enthalten.

Säule, Blitzeranhänger und mobiler Einsatz

  • Feste Säule: Der S350 wird in wetterfeste Gehäuse eingebaut, oft an Unfallschwerpunkten, Bundesstraßen, Brücken und Tunneln. Er misst rund um die Uhr, auch in beide Fahrtrichtungen.
  • Blitzeranhänger (Enforcement Trailer): Im Anhänger arbeitet der S350 autark mit eigener Stromversorgung über mehrere Tage. Die Messeinheit lässt sich drehen, sodass beide Fahrtrichtungen überwacht werden können.
  • Mobil: Auf Stativ oder im Messfahrzeug wird der S350 von Behördenpersonal aufgebaut. Gerade hier kommt es auf eine korrekte Aufstellung und Ausrichtung an.

Welche Punkte können bei einer S350-Messung geprüft werden?

Bei einer Akteneinsicht kommt es auf die Unterlagen der konkreten Messung an. Beim TraffiStar S350 können insbesondere folgende Punkte relevant sein:

  • Eichung und Sicherungsmarken: War das Gerät zum Messzeitpunkt gültig geeicht, und waren die Sicherungsmarken an Mess-, Bedien- und Auswerteeinheit unversehrt?
  • Software: Ist die eingesetzte Softwareversion von der Zulassung gedeckt?
  • Entfernung und Messfeld: Erfolgte die Messung im Bereich von 20 bis 50 Metern, und war das Messfeld mindestens 10 Meter lang?
  • Aufstellung: War das Gerät korrekt zur Fahrbahn ausgerichtet – vor allem bei Anhängern und mobilen Messungen?
  • Fahrzeugzuordnung: Ist der Auswerterahmen korrekt gesetzt, und befindet sich kein zweites Fahrzeug derselben Fahrtrichtung darin?
  • Messprotokoll und Schulung: Gibt es ein vollständiges Messprotokoll, und war das Personal für genau dieses Gerät geschult?
  • Falldatensatz: Ist die digitale Signatur des Datensatzes gültig?

Welches Gerät eingesetzt wurde, steht meist schon im Anhörungsbogen oder im Bußgeldbescheid. Die Akteneinsicht beantragen Sie bei der zuständigen Behörde, die Kontaktdaten finden Sie im Bußgeldstellen-Verzeichnis.

Rohmessdaten beim TraffiStar S350: Was sagt die Rechtsprechung?

Der S350 speichert nach der Berechnung nur den Geschwindigkeitswert, das Beweisfoto und einige Zusatzangaben. Die einzelnen Entfernungs- und Zeitwerte, aus denen die Geschwindigkeit berechnet wurde, verwirft das Gerät. Eine nachträgliche Nachrechnung durch Sachverständige ist deshalb nicht möglich.

BGH 2026: Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 02.07.2026 (Az. 4 StR 235/25) entschieden, dass die fehlende Speicherung von Rohmessdaten weder das Recht auf ein faires Verfahren verletzt noch zu einem Beweisverwertungsverbot führt. Betroffene haben Anspruch auf Zugang zu vorhandenen Informationen – aber nicht darauf, dass Daten eigens gespeichert werden.

Saarland: Der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes hatte 2019 (Urteil vom 05.07.2019, Az. Lv 7/17) einen Sonderweg eingeschlagen und Messungen ohne Rohmessdaten für unverwertbar erklärt. Diesen Sonderweg hat das Saarländische Oberlandesgericht mit Beschluss vom 21.08.2026 (Az. 1 Ss (OWi) 112/24) beendet: Die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs ist durch den BGH überholt und bindet die saarländischen Gerichte nicht mehr.

Bundesverfassungsgericht: Schon im Juni 2023 hatte das Bundesverfassungsgericht mehrere Verfassungsbeschwerden zu fehlenden Rohmessdaten nicht angenommen – darunter eine zu einer TraffiStar-S350-Messung (Az. 2 BvR 1090/21).

Für die Praxis bedeutet das: Fehlende Rohmessdaten allein reichen heute in keinem Bundesland mehr für einen erfolgreichen Einspruch. Entscheidend sind konkrete Anhaltspunkte für einen Fehler – etwa beim Entfernungsbereich, bei der Aufstellung, beim Auswerterahmen, bei Eichung oder Schulung. Wichtig: Wer Zugang zu den vorhandenen Messdaten und Unterlagen will, sollte ihn rechtzeitig und konkret beantragen.

Toleranzabzug beim TraffiStar S350

Vom Messwert wird eine Toleranz abgezogen, um Messungenauigkeiten zugunsten der Betroffenen auszugleichen: bis einschließlich 100 km/h sind es 3 km/h, darüber 3 Prozent des Messwerts, aufgerundet auf volle km/h.

Beispiel: Wurden Sie innerorts mit 65 km/h gemessen, beträgt die vorwerfbare Geschwindigkeit 62 km/h. Bei einer Messung von 130 km/h auf der Autobahn ergeben 3 Prozent rechnerisch 3,9 km/h; abgezogen werden 4 km/h, vorwerfbar sind also 126 km/h. Mehr dazu im Beitrag zum Toleranzabzug.

Welche Folgen drohen nach einer Messung?

Bußgeld, Punkte und ein mögliches Fahrverbot richten sich nicht nach dem Messgerät, sondern nach dem festgestellten Verstoß – bei Geschwindigkeit nach der Überschreitung und danach, ob Sie innerorts oder außerorts gemessen wurden.

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Häufige Fragen zum TraffiStar S350

Was ist der TraffiStar S350?

Der TraffiStar S350 ist ein Lasermessgerät der Jenoptik AG zur Geschwindigkeitsüberwachung. Es wird in festen Säulen, in Blitzeranhängern und mobil eingesetzt.

Wie misst der TraffiStar S350 die Geschwindigkeit?

Das Gerät sendet einen Fächer aus Laserimpulsen über die Fahrbahn und misst die Entfernung zum Fahrzeug über die Laufzeit des Lichts. Aus der Veränderung der Entfernung über die Zeit ergibt sich die Geschwindigkeit. Gemessen wird im Bereich von 20 bis 50 Metern vor dem Gerät.

Was ist der Unterschied zwischen TraffiStar S350 und S330?

Der S350 misst mit einem Laserscanner und kann fest, im Anhänger oder mobil eingesetzt werden. Der S330 misst über Piezo-Sensoren in der Fahrbahn und ist immer fest installiert.

Ist eine Messung mit dem TraffiStar S350 wegen fehlender Rohmessdaten unverwertbar?

Nein. Der Bundesgerichtshof hat am 02.07.2026 (4 StR 235/25) entschieden, dass fehlende Rohmessdaten weder das faire Verfahren verletzen noch zu einem Beweisverwertungsverbot führen. Seit dem Beschluss des Saarländischen Oberlandesgerichts vom 21.08.2026 gilt das auch im Saarland. Entscheidend sind konkrete Fehler der jeweiligen Messung.

Wie erkenne ich, ob ich mit dem TraffiStar S350 gemessen wurde?

Die Gerätebezeichnung steht in der Regel im Anhörungsbogen oder im Bußgeldbescheid, spätestens in der Messakte. Das Aussehen der Säule oder des Anhängers allein reicht für eine sichere Bestimmung nicht aus.

Welche Punkte können bei einer TraffiStar-S350-Messung geprüft werden?

Unter anderem Eichung und Sicherungsmarken, Softwareversion, Entfernungsbereich und Messfeld, Aufstellwinkel, Auswerterahmen und Fahrzeugzuordnung, Messprotokoll und die Schulung des Personals.

Welcher Toleranzabzug gilt beim TraffiStar S350?

Bis einschließlich 100 km/h werden 3 km/h abgezogen, darüber 3 Prozent des Messwerts, aufgerundet auf volle km/h. Der Wert im Bußgeldbescheid ist bereits der Wert nach Abzug.