ESO ES 8.0: Messfehler, Fotolinie & Einspruch bei Lichtschrankenblitzern
Der Einseitensensor ESO ES 8.0 ist anfällig für Messfehler. Lesen Sie mehr über den Schattenwurfeffekt, die Probleme mit LED-Scheinwerfern und warum die Löschung von Rohmessdaten Ihre Chance beim Einspruch ist.
ESO ES 8.0: Der "Einseitensensor" im Detail
Das Geschwindigkeitsmessgerät ESO ES 8.0 (Hersteller: ESO GmbH) ist der direkte Nachfolger des bekannten ESO ES 3.0. Anders als Laserblitzer (z.B. PoliScan) oder Radargeräte nutzt der ESO ES 8.0 eine passive Messtechnik: sogenannte Helligkeitsdifferenzsensoren.
Das Gerät wird oft mobil am Straßenrand auf einem Stativ ("Dreibein") aufgestellt und ist durch seinen flachen, breiten Sensorkopf ("Wabengitter-Optik") erkennbar. Es gilt als Standardgerät, steht jedoch wegen der Löschung von Rohmessdaten massiv in der Kritik von Verkehrsjuristen.
Datenlöschung als Chance?
„Der ESO ES 8.0 löscht seit einem Software-Update die Rohmessdaten sofort. Das macht die Messung zur 'Black Box'. Ein Ansatzpunkt für uns: Die Prüfung der Fotolinie. Sitzt das Rad nicht exakt auf der Linie, ist die Messung oft angreifbar.“
– RA Andreas Junge, Experte für Verkehrsrecht
Funktionsweise: Messung per Lichtschranke
Das System arbeitet als "Einseitensensor". Das bedeutet, es muss kein Reflektor auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen (wie bei alten Lichtschranken). Stattdessen nutzt der Sensorkopf fünf optische Sensoren, die Helligkeitsunterschiede erfassen.
Der 5-Sensoren-Trick:
- Sensoren 1, 2, 3 (Geschwindigkeit): Diese drei Sensoren sind horizontal angeordnet und bilden eine feste Messbasis von 0,5 Metern. Fährt ein Fahrzeug vorbei, ändert sich das Helligkeitsprofil in den Sensoren zeitversetzt. Aus der Zeitdifferenz wird das Tempo errechnet.
- Sensoren 4 und 5 (Abstand): Diese sind schräg angeordnet. Sie messen den Abstand des Fahrzeugs zum Sensor. Das ermöglicht dem ESO ES 8.0 eine Spurzuordnung (z.B. Unterscheidung zwischen linker und rechter Spur).
Problem LED-Scheinwerfer: Moderne Fahrzeuge mit gepulsten LED-Scheinwerfern können die empfindlichen Helligkeitssensoren irritieren. Dies kann zu Fehlmessungen oder Annullierungen führen.
Häufige Fehlerquellen beim ESO ES 8.0
Obwohl der ESO ES 8.0 technisch fortschrittlicher ist als sein Vorgänger, gibt es spezifische Schwachstellen, die bei einer Akteneinsicht geprüft werden müssen:
- Der "Schattenwurf-Effekt": Bei dichtem Verkehr (z.B. LKW neben PKW) kann der Schatten eines Fahrzeugs die Sensoren des anderen Fahrzeugs auslösen. Dies führt zu falschen Zuordnungen.
- Die Fotolinie: Auf dem Beweisfoto muss sich das Vorderrad des Fahrzeugs an einer definierten Position (Fotolinie) befinden. Weicht die Position ab, stimmt die Geometrie der Messung oft nicht.
- Aufbaufehler: Der Sensorkopf muss exakt parallel zur Fahrbahn ausgerichtet sein. Schon minimale Winkelabweichungen verfälschen das Ergebnis ("Cosinus-Effekt").
- Reflexionen: Nasse Fahrbahnen oder Leitplanken können Lichtreflexe erzeugen, die die Sensoren stören.
Das Hauptproblem: Fehlende Rohmessdaten
Mit der Einführung neuer Softwareversionen (ab Version 1.1.0.2) speichert der ESO ES 8.0 keine Rohmessdaten mehr. Das bedeutet: Die genauen Zeitpunkte, wann die Sensoren ausgelöst haben, werden sofort gelöscht. Übrig bleibt nur das fertige Ergebnis.
Warum ist das wichtig?
Ohne diese Rohdaten kann ein technischer Sachverständiger im Nachhinein nicht mehr nachrechnen, ob die Messung korrekt war. Gerichte bewerten dies unterschiedlich:
- AG Schleiden (Urt. v. 02.09.2022): Ein Paukenschlag! Das Gericht sprach einen Betroffenen frei, weil die fehlenden Daten eine faire Verteidigung unmöglich machten ("Verstoß gegen den Grundsatz des fairen Verfahrens").
- Verfassungsgerichte: Auch der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes hat in der Vergangenheit klargestellt, dass Messergebnisse überprüfbar sein müssen.
ESO 8.0 Messung prüfen lassen?
Wurde Ihre Messung korrekt dokumentiert? Stimmt die Fotolinie? Da der ESO 8.0 keine Rohdaten speichert, ist die formale Prüfung des Messprotokolls und des Fotos oft der einzige Weg zum Erfolg.
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