In Tempo 50-Zone geblitzt: Wie viel Bußgeld muss ich zahlen?

Sie sind bei Tempo 50 geblitzt worden oder möchten sich über die Regeln und Strafen informieren? Hier finden Sie einen Überblick über Sie über die Bußgelder, Punkte & Fahrverbote in einer Tempo 50-Zone.

07.10.2025, 11:06 Uhr Redaktion
In Tempo 50-Zonen drohen hohe Bußgelder.
In Tempo 50-Zonen drohen hohe Bußgelder.

Die Bedeutung von Tempo 50 innerorts: Sicherheit geht vor

Die allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h innerorts ist in Deutschland in § 3 Abs. 3 Nr. 1 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) festgeschrieben. Diese Regelung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis umfangreicher Studien und langjähriger Erfahrung im Bereich der Verkehrssicherheit. Denn in Städten und Gemeinden treffen viele Verkehrsteilnehmer wie Autofahrer, Fußgänger, Radfahrer und oft auch spielende Kinder aufeinander.

Tempo 50 soll hier eine Balance schaffen zwischen dem fließenden Verkehr und dem Schutz aller Verkehrsteilnehmer. Es ermöglicht Autofahrern, auf unvorhergesehene Situationen (z.B. ein plötzlich auf die Straße laufendes Kind oder ein abbiegender Radfahrer) angemessen zu reagieren und den Bremsweg kurz zu halten.

In besonderen Bereichen, wie beispielsweise in der Nähe von Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern, können auch strengere Limits wie Tempo 30-Zonen angeordnet werden, um die Sicherheit weiter zu erhöhen. Aber grundsätzlich gilt: Sobald Sie ein Ortsschild passieren, ist die Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h begrenzt, sofern keine andere Beschilderung vorliegt.

Bremsweg verlängert sich erheblich bei Überschreitungen in einer Tempo 50-Zone

Auch wenn 10 oder 20 km/h zu viel innerorts auf den ersten Blick nicht dramatisch erscheinen mögen, können die Auswirkungen gravierend sein. Der Bremsweg verlängert sich erheblich, und die Aufprallenergie steigt exponentiell an:

  • Bei 50 km/h beträgt der Anhalteweg (Reaktionsweg + Bremsweg) auf trockener Fahrbahn ca. 28 Meter.
  • Bei 60 km/h sind es bereits ca. 40 Meter.
  • Bei 70 km/h verlängert sich der Weg auf ca. 54 Meter.

Dieser geringe Unterschied in der Geschwindigkeit kann entscheidende Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit haben. Während bei einer innerörtlichen Geschwindigkeit von 50 km/h für Autofahrer noch bessere Chancen bestehen, rechtzeitig zu reagieren und anderen Verkehrsteilnehmern auszuweichen, steigt bei 60 km/h das Risiko schwerster Verletzungen oder tödlicher Folgen bei einem Unfall drastisch an. Es ist unumstritten, dass Unfälle mit höherer Geschwindigkeit tendenziell schwerwiegendere Folgen haben. Besonders Kinder und ältere Menschen sind durch zu schnelles Fahren in Ortschaften extrem gefährdet.

Zwar wird argumentiert, dass eine pauschale Geschwindigkeitsreduzierung die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr mindern könnte, da der Warnhinweis bei speziellen Tempo-30-Zonen entfiele (vgl. Stellungnahme Verband Spedition und Logistik NRW, S. 5), doch die Notwendigkeit, Geschwindigkeiten an Orten mit hoher Unfallgefahr oder schutzbedürftigen Verkehrsteilnehmern anzupassen (z.B. Schulen, Altersheime), bleibt bestehen.

Darüber hinaus führt zu schnelles Fahren zu einer erhöhten Lärmbelästigung für Anwohner und einem unnötig hohen Kraftstoffverbrauch, was sich negativ auf die Umwelt auswirkt.

Warum wird in Tempo 50-Zonen so oft geblitzt?

Es ist kein Geheimnis: Kommunen und Polizeibehörden blitzen überdurchschnittlich oft in Tempo 50-Zonen. Die Gründe hierfür sind vielfältig:

  • Hohe Unfallgefahr: Statistisch gesehen passieren die meisten schweren Unfälle im innerstädtischen Bereich, oft wegen überhöhter Geschwindigkeit. Blitzer sollen hier präventiv wirken und das Unfallrisiko senken.
  • Schutz von Schwächeren: In Ortschaften sind Fußgänger, Radfahrer und Schulkinder besonders gefährdet. Blitzer dienen ihrem Schutz.
  • Einfache Messbarkeit: Tempo 50 ist eine feste Regelgeschwindigkeit, die an den meisten Straßen gilt. Das macht die Messung und Ahndung von Verstößen unkompliziert.
  • Hohes Aufkommen an Verstößen: Viele Fahrer neigen dazu, innerorts "automatisch" etwas zu schnell zu fahren, da die Strecken oft kurz und die Versuchung groß ist. Dies führt zu einer hohen Trefferquote bei Blitzern.
  • Einnahmen für Kommunen: Auch wenn der primäre Zweck die Verkehrssicherheit ist, generieren Blitzer erhebliche Einnahmen für Städte und Gemeinden, die oft für weitere Maßnahmen zur Verkehrssicherheit oder andere kommunale Aufgaben verwendet werden.

Geschwindigkeitsüberschreitung in Tempo 50-Zone: Bußgelder & Strafen

Eine Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit in einer Tempo 50-Zone kann teuer werden und weitreichende Konsequenzen haben. Neben dem Bußgeld können auch Punkte im Fahreignungsregister (Flensburg) und ein Fahrverbot drohen. Die genaue Höhe der Strafe hängt davon ab, um wie viele km/h Sie die Geschwindigkeit überschritten haben und ob Sie bereits Voreintragungen in Flensburg haben oder in der Probezeit sind.

Zu schnell innerorts
Punkte Fahrverbot Einspruch
Bis 10 km/h 30 € - Nein eher nicht
11 - 15 km/h 50 € - Nein eher nicht
16 - 20 km/h 70 € 1 Nein eher nicht
21 - 25 km/h 115 € 1 Nein Einspruch prüfen
26 - 30 km/h 180 € 1 1 Monat** Einspruch prüfen
31 - 40 km/h 260 € 2 1 Monat Einspruch prüfen
41 - 50 km/h 400 € 2 2 Monate Einspruch prüfen
51 - 60 km/h 560 € 2 2 Monate Einspruch prüfen
61 - 70 km/h 700 € 2 3 Monate Einspruch prüfen
Über 70 km/h 800 € 2 3 Monate Einspruch prüfen

* Bitte beachten Sie: Die Gebühren eines Bußgeldbescheides betragen 25 € bzw. max. 5% des Bußgeldbetrages. Dazu kommen noch Auslagen in Höhe von 3,50 € für den Postversand. Diese werden beim Aktivieren der Checkbox mit berücksichtigt.

** Ein Fahrverbot von 1 Monat droht, wenn innerhalb eines Jahres zweimal die Geschwindigkeitsbegrenzung um mehr als 26 km/h überschritten wird.

km/h
Pkt. Fv. Einspruch
<10 30 € - Nein eher nicht
11-15 50 € - Nein eher nicht
16-20 70 € 1 Nein eher nicht
21-25 115 € 1 Nein Jetzt prüfen
26-30 180 € 1 1M** Jetzt prüfen
31-40 260 € 2 1M Jetzt prüfen
41-50 400 € 2 2M Jetzt prüfen
51-60 560 € 2 2M Jetzt prüfen
61-70 700 € 2 3M Jetzt prüfen
>70 800 € 2 3M Jetzt prüfen

BG. = Bußgeld, P = Punkte, FV = Fahrverbot

* Bitte beachten Sie: Die Gebühren eines Bußgeldbescheides betragen 25 € bzw. max. 5% des Bußgeldbetrages. Dazu kommen noch Auslagen in Höhe von 3,50 € für den Postversand. Diese werden beim Aktivieren der Checkbox mit berücksichtigt.

** Ein Fahrverbot von 1 Monat droht, wenn innerhalb eines Jahres zweimal die Geschwindigkeitsbegrenzung um mehr als 26 km/h überschritten wird.


Eine Geschwindigkeitsüberschreitung in der Tempo 50-Zone kann von einem geringen Verwarnungsgeld bis zu empfindlichen Strafen reichen. Während eine Überschreitung von 1 km/h bis zu 10 km/h innerorts oft noch mit einem Verwarnungsgeld geahndet wird, verschärfen sich die Konsequenzen über 15 km/h deutlich:

Fahren Sie 16 km/h zu schnell innerorts, müssen Sie bereits mit einem erhöhten Bußgeld rechnen. Einen ersten Punkt in Flensburg erhalten Sie ab einer Überschreitung von 21 km/h innerorts. Bereits ab 26 km/h zu viel innerorts drohen nicht nur höhere Bußgelder und Punkte, sondern für Wiederholungstäter auch ein einmonatiges Fahrverbot. Und bei einer Überschreitung von 30 km/h innerorts oder gar 40 km/h innerorts führt dies in der Regel zu einem Fahrverbot. Die detaillierten Strafen finden Sie in unserer Übersichtstabelle.

Exakte Strafen in Tempo 50-Zonen: Beispiele für gravierende Überschreitungen

Welche genauen Konsequenzen drohen, wenn Sie eine Tempo 50-Zone mit überhöhter Geschwindigkeit passieren? Die folgenden Beispiele zeigen Ihnen detailliert, mit welchen Bußgeldern, Punkten und Fahrverboten Sie bei spezifischen Geschwindigkeiten rechnen müssen. Tiefergehende Informationen zu Überschreitungen in Tempo 50-Zonen finden Sie beim Verbraucherrechtsportal Jusora:

Gefahrene Geschwindigkeit (in 50er-Zone) Bußgeld (mit Gebühren) Punkte Fahrverbot
71 km/h 138,50 € 1 Nein
76 km/h 208,50 € 1 1 Monat*
81 km/h 288,50 € 2 1 Monat
85 km/h 288,50 € 2 1 Monat
91 km/h 428,50 € 2 2 Monate
95 km/h 428,50 € 2 2 Monate
101 km/h 591,50 € 2 2 Monate
105 km/h 591,50 € 2 2 Monate
111 km/h 738,50 € 2 3 Monate
121 km/h 843,50 € 2 3 Monate

* Ein Fahrverbot von 1 Monat droht, wenn innerhalb eines Jahres zweimal die Geschwindigkeitsbegrenzung um mehr als 26 km/h überschritten wird.

Gef. Geschw. Bußgeld Pkt. Fv.
71 km/h 143,50 € 1 Nein
76 km/h 208,50 € 1 1M*
81 km/h 288,50 € 2 1M
85 km/h 288,50 € 2 1M
91 km/h 428,50 € 2 2M
95 km/h 428,50 € 2 2M
101 km/h 591,50 € 2 2M
105 km/h 591,50 € 2 2M
111 km/h 738,50 € 2 3M
121 km/h 843,50 € 2 3M

** Ein Fahrverbot von 1 Monat droht, wenn innerhalb eines Jahres zweimal die Geschwindigkeitsbegrenzung um mehr als 26 km/h überschritten wird.

Gef. Geschw.: Gefahrene Geschwindigkeit in 50er-Zone | Bußgeld: Mit Gebühren | Pkt.: Punkte in Flensburg | Fv.: Fahrverbot (M = Monat)

Messtoleranz: Der kleine Puffer für Geschwindigkeitsmessungen

Bei jeder Geschwindigkeitsmessung, sei es durch Blitzer, Laserpistolen oder andere Geräte, wird eine sogenannte Messtoleranz abgezogen. Dieser Puffer soll mögliche Ungenauigkeiten der Messgeräte ausgleichen und dient der Rechtssicherheit.

  • Bei Geschwindigkeiten unter 100 km/h werden in der Regel 3 km/h von der gemessenen Geschwindigkeit abgezogen.
  • Bei Geschwindigkeiten ab 100 km/h werden 3 % der gemessenen Geschwindigkeit abgezogen.

Wenn Sie also innerorts mit 58 km/h geblitzt werden, rechnet die Behörde mit 55 km/h (58 km/h - 3 km/h Toleranz) als zu ahndende Geschwindigkeit. Erst dieser Wert entscheidet über das Bußgeld und mögliche Punkte. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Toleranz bereits abgezogen wird, Sie also keinen weiteren Abzug erwarten dürfen.

Zwei Mal geblitzt – Droht ein Fahrverbot?

Eine besondere Regelung im deutschen Verkehrsrecht betrifft sogenannte Wiederholungstäter. Wer innerhalb eines Jahres zweimal die Geschwindigkeitsbegrenzung um mehr als 26 km/h überschreitet, gilt als Wiederholungstäter. In diesem Fall droht ein zusätzliches, in der Regel einjähriges Fahrverbot, selbst wenn die einzelne Übertretung noch kein Fahrverbot zur Folge hätte.

Diese Regelung soll dazu beitragen, notorische Raser aus dem Verkehr zu ziehen und die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Ein Fahrverbot kann für viele Menschen erhebliche Einschränkungen im Alltag bedeuten, insbesondere wenn sie beruflich auf ihren Führerschein angewiesen sind.

FAQ zu Tempo 50-Zonen

In Deutschland beträgt die generelle Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften gemäß § 3 Abs. 3 Nr. 1 StVO 50 km/h, sofern keine abweichende Beschilderung (z.B. Tempo 30-Zone) vorhanden ist.

Die Strafen reichen von Verwarn- und Bußgeldern bis zu Punkten im Fahreignungsregister und Fahrverboten. Die genaue Höhe hängt von der Höhe der Überschreitung ab. Unsere Tabelle oben gibt Ihnen einen detaillierten Überblick.

Ja, ein Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid ist innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung möglich. Dies kann sinnvoll sein, wenn Sie Zweifel an der Richtigkeit der Messung haben (z.B. bei fehlerhafter Beschilderung, technischem Defekt des Geräts oder Ablesefehlern). Ein Fachanwalt für Verkehrsrecht kann Ihren Fall prüfen und die Erfolgsaussichten eines Einspruchs einschätzen.

Eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 21 km/h oder mehr innerorts (A-Verstoß) in der Probezeit führt zu einer Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre und der Anordnung eines Aufbauseminars. Weitere A-Verstöße oder B-Verstöße können sogar zum Entzug der Fahrerlaubnis führen.

Relevante Gesetze:

  • § 3 StVO (Geschwindigkeit)
  • Anlage zu § 1 Abs. 1 BKatV (Bußgeldkatalog)
  • § 4 StVG (Fahreignungs-Bewertungssystem)
  • § 2a StVG (Probezeit für Fahranfänger)

Quellenangaben:




Blitzer in Deutschland