Falsches Tempo-70-Schild: Fast 400 Blitzer-Verfahren eingestellt

Oliver Godolt, Fachredakteur für Verkehrsrecht bei Blitzerkatalog.org
Oliver Godolt Fachredakteur für Verkehrsrecht

Ein Unbekannter stellte in Haldensleben ein falsches Tempo-70-Schild auf – obwohl tatsächlich Tempo 50 galt. Fast 400 Blitzerfotos entstanden, die Verfahren wurden eingestellt.

Falsches Tempo-70-Schild an einer mobilen Blitzer-Messstelle in Haldensleben
Ein falsches Tempo-70-Schild sorgte in Haldensleben für fast 400 Blitzeraufnahmen und die Einstellung zahlreicher Verfahren.

Falsches Tempo-70-Schild in Haldensleben: Das Wichtigste

  • Ort: Magdeburger Straße in Haldensleben.
  • Tatsächliches Tempolimit: 50 km/h.
  • Manipulation: Ein Unbekannter stellte eigenmächtig ein Tempo-70-Schild auf.
  • Blitzer: In dem Bereich lief eine mobile Geschwindigkeitsmessung.
  • Fast 400 Aufnahmen: Zwischen dem 4. und 6. September entstanden laut MDR fast 400 Blitzerfotos.
  • Folge: Die Stadt stellte sämtliche Bußgeldverfahren des betroffenen Wochenendes ein.
  • Ermittlungen: Die Polizei ermittelt wegen Amtsanmaßung.

Tempo 70 angezeigt – obwohl tatsächlich nur 50 km/h erlaubt waren: Ein ungewöhnlicher Fall aus Haldensleben hat dazu geführt, dass fast 400 Blitzeraufnahmen nicht weiterverfolgt werden.

Ein bislang unbekannter Täter hatte an der Magdeburger Straße eigenmächtig ein Verkehrsschild aufgestellt, das eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h suggerierte. Tatsächlich gilt dort nach Angaben der Polizei Tempo 50.

Genau in diesem Bereich war eine mobile Geschwindigkeitsmessanlage im Einsatz. Viele Autofahrer dürften sich deshalb an den vermeintlich erlaubten 70 km/h orientiert haben.

Die Folge: Zwischen dem 4. und 6. September 2026 entstanden fast 400 Blitzerfotos. Weil sich später nicht zweifelsfrei feststellen ließ, wann das falsche Schild genau aufgestellt worden war, stellte die Stadt nach MDR-Angaben sämtliche Bußgeldverfahren dieses Wochenendes ein.

Unbekannter stellt falsches Tempo-70-Schild auf

Der ungewöhnliche Vorfall ereignete sich auf der Magdeburger Straße in Haldensleben. Die Polizei teilte am 23. September mit, dass ein bislang unbekannter Täter dort eigenmächtig ein mobiles Geschwindigkeitsschild mit der Angabe 70 km/h aufgestellt hatte.

Das Problem: Die tatsächlich zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt in diesem Bereich 50 km/h.

Nach Einschätzung der Polizei wurde das Schild offenbar mit dem Ziel aufgestellt, Verkehrsteilnehmer über das tatsächlich geltende Tempolimit zu täuschen und dadurch Geschwindigkeitsüberschreitungen an der dort eingerichteten Messstelle zu provozieren.

Direkt dort stand ein mobiler Blitzer

Besonders folgenreich war der Standort des manipulierten Schildes. In dem Abschnitt wurde die Einhaltung von Tempo 50 mit einer mobilen Geschwindigkeitsmessanlage überwacht.

Wer das täuschend wirkende Tempo-70-Schild passierte und anschließend beispielsweise 60 oder 65 km/h fuhr, konnte deshalb vom Blitzer erfasst werden, obwohl die Geschwindigkeit aus Sicht des Fahrers unterhalb der vermeintlich angezeigten Grenze lag.

Wie viele Autofahrer sich tatsächlich auf das Schild verlassen haben, lässt sich im Nachhinein nicht feststellen. Die Zahl der entstandenen Aufnahmen zeigt jedoch, wie groß die Auswirkungen waren.

Fast 400 Blitzerfotos innerhalb weniger Tage

Nach Angaben des MDR entstanden zwischen dem 4. und 6. September 2026 fast 400 Blitzerfotos.

Damit wurde aus einem einzelnen manipulierten Verkehrsschild schnell ein Problem für zahlreiche laufende Ordnungswidrigkeitenverfahren.

Entscheidend war dabei nicht nur, dass das Schild falsch war. Für die Stadt ließ sich offenbar auch nicht zweifelsfrei rekonstruieren, zu welchem Zeitpunkt es tatsächlich aufgestellt worden war.

Warum wurden alle Verfahren des Wochenendes eingestellt?

Genau die ungeklärte zeitliche Abfolge wurde für die Verfahren zum entscheidenden Problem.

Laut MDR stellte die Stadt sämtliche Bußgeldverfahren des betreffenden Wochenendes ein, weil nicht rechtssicher festgestellt werden konnte, welche Fahrer das falsche Schild bereits passiert hatten und welche Messungen noch vor dessen Aufstellung entstanden waren.

Die Einstellung betraf nach dem Bericht sogar Fälle, in denen Fahrzeuge mit mehr als 70 km/h gemessen worden waren.

Wichtig: Daraus lässt sich nicht ableiten, dass ein falsches Verkehrsschild grundsätzlich jede Geschwindigkeitsmessung unwirksam macht. Im Haldenslebener Fall war entscheidend, dass der konkrete Zeitpunkt der Manipulation nicht zweifelsfrei feststand und die Stadt die betroffenen Verfahren deshalb nicht weiterverfolgte.

Wie sah das falsche Verkehrsschild aus?

Nach den bisherigen Ermittlungen handelte es sich nicht um ein reguläres Verkehrsschild der zuständigen Behörde.

Die Polizei stellte fest, dass Schild, Standfuß und Rohr aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt worden waren. Diese Kombination werde von den zuständigen Stellen üblicherweise nicht verwendet.

Für vorbeifahrende Autofahrer war dieser Unterschied allerdings offenbar nicht ohne Weiteres erkennbar. Gerade auf einem Straßenabschnitt mit Gewerbebetrieben und Tankstellen konnte eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h plausibel wirken.

Die Polizei ermittelt wegen Amtsanmaßung

Die Polizei bewertet die Aktion nicht als harmlosen Streich. Sie spricht von einem erheblichen Eingriff in den ordnungsgemäßen Ablauf des Straßenverkehrs.

Gegen den bislang unbekannten Täter wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Amtsanmaßung eingeleitet.

Hinweise darauf, wer das Schild aufgestellt hat, lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Polizeimeldung noch nicht vor.

Das falsche Schild blieb nicht dauerhaft stehen

Nach Angaben der Polizei wurde das manipulierte Verkehrsschild am Folgetag von der Stadt Haldensleben entfernt.

Damit war die Täuschung zwar beendet. Für die bereits entstandenen Blitzeraufnahmen blieb jedoch die schwierige Frage, welche Messung zu welchem Zeitpunkt erfolgt war und welcher Verkehrsteilnehmer das falsche Schild möglicherweise gesehen hatte.

Der Fall zeigt damit ungewöhnlich deutlich, wie wichtig eine eindeutige und nachvollziehbare Verkehrsregelung zum Zeitpunkt einer Geschwindigkeitsmessung sein kann.

Welches Tempolimit gilt an der Magdeburger Straße?

Nach der offiziellen Mitteilung des Polizeireviers Börde gilt an der betroffenen Stelle Tempo 50. Das aufgestellte Tempo-70-Schild stammte nicht von der zuständigen Behörde.

Nach Entfernung des manipulierten Schildes besteht deshalb kein Anlass, an der von der Polizei genannten Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h zu zweifeln.

Der außergewöhnliche Vorgang betrifft vielmehr die Messungen in dem Zeitraum, in dem Autofahrer durch das fremde Schild über die tatsächlich zulässige Geschwindigkeit getäuscht worden sein könnten.

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