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Glossar Verkehrsrecht

Drohnen-Kontrolle: Polizei überwacht Lkw-Abstand aus der Luft

In mehreren Bundesländern überwacht die Polizei den Lkw-Abstand per Drohne. Wo das passiert, wie die Kontrolle abläuft und ob Bußgeldbescheide halten.

Polizei-Drohnen gegen Abstandsverstöße

Mehrere Bundesländer setzen Drohnen ein, um den Abstand von Lkw auf der Autobahn zu überwachen. Die Drohne schwebt über einem Streckenabschnitt und filmt den Verkehr von oben. Fährt ein Lkw über längere Strecke zu dicht auf, wird er von der Polizei angehalten und kontrolliert.

Hintergrund sind die vielen schweren Auffahrunfälle mit Lkw. Zu geringer Abstand gilt als eine der Hauptursachen. Von oben lässt sich der Abstand über eine längere Strecke beobachten, was von einer Brücke oder vom Fahrbahnrand aus schwieriger ist.

Wo die Polizei Drohnen einsetzt

Bundesland Einsatz Stand
Brandenburg A2 und A12, Lkw-Abstandskontrollen mit Drohne seit mehreren Jahren im Einsatz, gilt als Vorbild für andere Länder
Sachsen-Anhalt A2 im Bereich Börde, Kontrollen durch den Autobahndienst der Polizeiinspektion Magdeburg wiederholte Kontrollaktionen seit 2022
Baden-Württemberg A81 bei Rottweil, Verkehrspolizei Zimmern ob Rottweil Pilotprojekt von Mai bis Dezember 2026, danach Entscheidung über landesweiten Einsatz

Weitere Länder beobachten die Projekte. Ob Drohnen künftig auch Pkw-Abstände oder andere Verstöße überwachen, ist offen. Bisher geht es ausschließlich um Lkw.

So läuft eine Drohnen-Kontrolle ab

  • Beobachtung: Die Drohne fliegt in größerer Höhe über der Autobahn und filmt einen festgelegten Abschnitt. Ein Beamter verfolgt das Livebild.
  • Abstand: Der Abstand wird über feste Bezugspunkte auf der Fahrbahn ermittelt, etwa Markierungen oder die Leitpfosten, die im Abstand von 50 Metern stehen.
  • Anhalten: Bei einem Verstoß gibt die Messstelle den Lkw per Funk an Motorradstreifen weiter. Diese leiten ihn zu einem Kontrollplatz.
  • Kontrolle: Dort wird dem Fahrer der Verstoß vorgehalten. Zusätzlich prüft die Polizei häufig Ladungssicherung, technischen Zustand sowie Lenk- und Ruhezeiten.

Die Drohne misst keine Geschwindigkeit. Sie dokumentiert, wie dicht ein Lkw über welche Strecke auffährt. Fahrer und Kennzeichen sind auf den Aufnahmen nach Angaben der Polizei nicht zu erkennen. Wer gefahren ist, wird beim Anhalten festgestellt.

Was bei zu wenig Abstand droht

Lkw über 3,5 Tonnen müssen auf der Autobahn ab 50 km/h einen Mindestabstand von 50 Metern einhalten (§ 4 Abs. 3 StVO). Wer diesen Abstand unterschreitet, muss nach Angaben der Polizei mit 80 € Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Die Regeln selbst sind nicht neu, neu ist nur die Art der Überwachung. Mehr zu den Strafen finden Sie im Bußgeldkatalog für Abstandsverstöße.

Sind Bußgeldbescheide nach Drohnen-Kontrollen zulässig?

Die Polizei ahndet die Verstöße. In Baden-Württemberg wird im Pilotprojekt ausdrücklich das gesamte Verfahren erprobt, von der Feststellung bis zur Bearbeitung durch die Bußgeldstelle. Rechtlich sind aber noch Fragen offen:

  • Kein Standardmessgerät: Klassische Abstandsmessungen laufen über Systeme wie VKS mit Bauartzulassung und Eichung. Gerichte behandeln sie als standardisiertes Messverfahren und prüfen sie nur eingeschränkt. Für die Drohnen-Kontrolle ist uns keine vergleichbare Zulassung bekannt. Das Gericht muss die Messung dann im Einzelfall genauer prüfen.
  • Rechtsgrundlage für Videoaufnahmen: Für Videomessungen von Brücken haben Gerichte § 100h StPO in Verbindung mit § 46 OWiG als Grundlage anerkannt, wenn erst bei konkretem Verdacht aufgezeichnet wird. Ob das ohne Weiteres auf Drohnen übertragbar ist, ist bisher nicht obergerichtlich geklärt. Brandenburg hat eigens Leitlinien für den Einsatz geschaffen.
  • Dauer des Verstoßes: Ein Abstandsverstoß setzt voraus, dass der Abstand nicht nur ganz kurz unterschritten wurde. Auch die Polizei betont, dass es um beharrlich zu dichtes Auffahren geht. Wie lange und über welche Strecke der Abstand zu gering war, muss die Aufnahme belegen.

Eine veröffentlichte Gerichtsentscheidung speziell zu Abstandsmessungen per Drohne haben wir bislang nicht gefunden. Wer einen Bescheid nach einer solchen Kontrolle erhält, sollte deshalb die Akte mit dem Video prüfen lassen.

Wenn Sie selbst eine Drohne fliegen

Für private Drohnen gelten seit Ende 2020 EU-weit einheitliche Regeln nach der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947. Die meisten Freizeitflüge fallen in die offene Kategorie. Betreiber müssen sich beim Luftfahrt-Bundesamt registrieren und ihre Betreiber-ID an der Drohne anbringen. Je nach Drohnenklasse ist ein Kompetenznachweis nötig.

  • Ordnungswidrigkeiten: Verstöße gegen die Drohnenregeln, etwa fehlende Registrierung, zu geringer Abstand zu Menschen oder Flüge in Verbotszonen, können nach dem Luftverkehrsgesetz mit bis zu 50.000 € geahndet werden.
  • Straftaten: Wer mit einer Drohne den Luftverkehr gefährdet, riskiert eine Freiheitsstrafe (§ 315 StGB). Heimliche Aufnahmen von Personen in geschützten Bereichen sind nach § 201a StGB strafbar.

Rechtsgrundlagen

  • § 4 Abs. 3 StVO: Mindestabstand für Lkw auf Autobahnen
  • § 100h StPO in Verbindung mit § 46 OWiG: Bildaufnahmen im Bußgeldverfahren
  • Durchführungsverordnung (EU) 2019/947: Betrieb unbemannter Luftfahrzeuge
  • § 58 LuftVG: Bußgeldvorschriften

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