Gefährdung des Straßenverkehrs: Strafe 2026
Gefährdung des Straßenverkehrs (§ 315c StGB): Strafe, Punkte und Führerschein 2026
Ein riskantes Überholmanöver, eine missachtete Vorfahrt, und um ein Haar hätte es gekracht: Schon ein Beinahe-Unfall kann eine Straftat sein. Bei Gefährdung des Straßenverkehrs drohen Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft, und der Führerschein ist in der Regel weg.
Vorwurf Gefährdung des Straßenverkehrs?
Es geht um Ihren Führerschein. Rechtsanwalt Andreas Junge prüft Ihren Fall kostenlos und unverbindlich.
Fall prüfenStrafen im Überblick
Die Gefährdung des Straßenverkehrs ist in § 315c StGB geregelt. Anders als ein Bußgeld setzt sie voraus, dass ein anderer Mensch oder eine fremde Sache von bedeutendem Wert konkret in Gefahr geraten ist:
| Tat | Strafe | Punkte | Führerschein |
|---|---|---|---|
| Vorsätzlich gehandelt und vorsätzlich gefährdet (Abs. 1) | Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis 5 Jahre | 3 | Entziehung im Regelfall |
| Vorsätzlich gehandelt, Gefahr fahrlässig verursacht (Abs. 3 Nr. 1) | Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis 2 Jahre | 3 | Entziehung im Regelfall |
| Fahrlässig gehandelt und fahrlässig gefährdet (Abs. 3 Nr. 2) | Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis 2 Jahre | 3 | Entziehung im Regelfall |
Strafrahmen nach § 315c StGB, Entziehung nach § 69 Abs. 2 Nr. 1 StGB, Sperrfrist nach § 69a StGB mindestens sechs Monate. Bei Fahrten unter Alkohol ist auch der Versuch strafbar.
Wann eine Gefährdung des Straßenverkehrs vorliegt
§ 315c StGB erfasst zwei Gruppen. Strafbar macht sich, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er dazu nicht sicher in der Lage ist, oder wer bestimmte grobe Verkehrsverstöße begeht, und dadurch einen anderen gefährdet:
- Fahruntüchtigkeit: Fahren unter Alkohol oder Drogen oder trotz geistiger oder körperlicher Mängel, zum Beispiel starker Übermüdung oder ungeeigneter Medikamente.
- Die „sieben Todsünden“: grob verkehrswidrige und rücksichtslose Verstöße, die das Gesetz ausdrücklich aufzählt (siehe unten).
Für beide gilt: Erst die konkrete Gefahr macht aus dem Verstoß eine Straftat. Gemeint ist ein Beinahe-Unfall, bei dem es nur noch vom Zufall abhing, ob etwas passiert. Ohne Gefährdung bleibt es meist bei einem Bußgeld, etwa wegen Missachtung des Überholverbots.
Die sieben Todsünden im Straßenverkehr
§ 315c Abs. 1 Nr. 2 StGB zählt die Verstöße auf, die bei grob verkehrswidrigem und rücksichtslosem Verhalten strafbar sein können:
- die Vorfahrt nicht beachten,
- falsch überholen oder beim Überholen sonst falsch fahren,
- an Fußgängerüberwegen falsch fahren,
- an unübersichtlichen Stellen, Kreuzungen, Einmündungen oder Bahnübergängen zu schnell fahren,
- an unübersichtlichen Stellen nicht die rechte Fahrbahnseite einhalten,
- auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen wenden, rückwärts oder entgegen der Fahrtrichtung fahren,
- haltende oder liegengebliebene Fahrzeuge nicht ausreichend kenntlich machen.
Grob verkehrswidrig ist ein besonders schwerer Verstoß gegen eine Verkehrsvorschrift. Rücksichtslos handelt, wer sich aus eigensüchtigen Gründen über die Sicherheit anderer hinwegsetzt oder aus Gleichgültigkeit gar nicht erst nachdenkt. Ein einfacher Fahrfehler oder ein Moment der Unaufmerksamkeit reicht dafür nicht. Genau hier setzt die Verteidigung häufig an.
Was eine fremde Sache von bedeutendem Wert ist
Wird kein Mensch gefährdet, muss eine fremde Sache von bedeutendem Wert in Gefahr geraten sein. Die Rechtsprechung setzt die Grenze seit Jahren meist bei etwa 750 Euro an, wobei sowohl der Wert der Sache als auch der drohende Schaden diese Grenze erreichen müssen. Einige Gerichte fordern inzwischen höhere Werte. Das vom Täter selbst gefahrene Auto zählt nicht mit, auch wenn es ihm nicht gehört.
Führerschein: Entziehung und Sperrfrist
Die Gefährdung des Straßenverkehrs ist ein Regelfall für die Entziehung der Fahrerlaubnis nach § 69 Abs. 2 Nr. 1 StGB. Das Gericht setzt eine Sperrfrist von mindestens sechs Monaten und bis zu fünf Jahren. Oft wird der Führerschein schon im Ermittlungsverfahren vorläufig entzogen (§ 111a StPO). Im Fahreignungsregister werden 3 Punkte eingetragen. In der Probezeit ist die Tat ein A-Verstoß.
So läuft das Verfahren ab
- Anzeige: Häufig zeigt der gefährdete Verkehrsteilnehmer die Tat an, oft mit Kennzeichen und Dashcam-Video.
- Vernehmung: Einer Vorladung der Polizei als Beschuldigter müssen Sie nicht folgen. Zur Sache sollten Sie sich erst äußern, wenn ein Anwalt die Akte kennt.
- Beweise: Entscheidend sind meist Zeugenaussagen. Ob wirklich eine konkrete Gefahr bestand und das Verhalten grob verkehrswidrig und rücksichtslos war, ist oft streitig.
- Strafbefehl oder Anklage: Gegen einen Strafbefehl können Sie innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen.
Warum sich ein Anwalt lohnt
Der Unterschied zwischen einem Bußgeld und einer Straftat mit Führerscheinentzug liegt bei § 315c StGB oft in Wertungsfragen: War die Gefahr konkret? War das Verhalten rücksichtslos oder nur ein Fehler? Ein Anwalt prüft die Zeugenaussagen und Videos und kann darauf hinwirken, dass das Verfahren eingestellt oder als Ordnungswidrigkeit behandelt wird. Rechtsanwalt Andreas Junge ist Fachanwalt für Strafrecht und verteidigt bundesweit in Verkehrsstrafsachen.
Ermittlungsverfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs?
Post von Polizei oder Staatsanwaltschaft erhalten? Rechtsanwalt Andreas Junge gibt Ihnen eine kostenlose und unverbindliche Ersteinschätzung.
Fall prüfenHäufige Fragen zur Gefährdung des Straßenverkehrs
Kurz beantwortet: Strafe, Todsünden, Führerschein und Verfahren.
Welche Strafe droht bei Gefährdung des Straßenverkehrs?
Bei vorsätzlicher Tat Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, bei fahrlässiger Gefährdung bis zu zwei Jahren. Dazu kommen 3 Punkte und in der Regel die Entziehung der Fahrerlaubnis mit einer Sperrfrist von mindestens sechs Monaten.
Was sind die sieben Todsünden im Straßenverkehr?
So werden die Verstöße aus § 315c Abs. 1 Nr. 2 StGB genannt: Vorfahrt missachten, falsch überholen, falsch an Fußgängerüberwegen fahren, an unübersichtlichen Stellen zu schnell fahren, dort nicht rechts fahren, auf der Autobahn wenden oder rückwärts fahren und liegengebliebene Fahrzeuge nicht absichern.
Muss es zu einem Unfall kommen?
Nein. Es reicht eine konkrete Gefahr, also ein Beinahe-Unfall, bei dem es nur noch vom Zufall abhing, ob ein Mensch verletzt oder eine wertvolle Sache beschädigt wurde.
Ist ein einfacher Fahrfehler schon strafbar?
Bei den sieben Todsünden nicht. Hier muss das Verhalten grob verkehrswidrig und rücksichtslos sein. Ein Augenblicksversagen oder ein normaler Fahrfehler reicht nicht aus. Fahren unter Alkohol mit Gefährdung ist dagegen auch ohne Rücksichtslosigkeit strafbar.
Bekomme ich meinen Führerschein zurück?
Nach einer Entziehung müssen Sie nach Ablauf der Sperrfrist eine neue Fahrerlaubnis beantragen. Die Behörde kann vorher eine MPU anordnen, vor allem wenn Alkohol im Spiel war.
Was ist der Unterschied zur Nötigung oder zum Bußgeld?
Ein Überholverstoß ohne Gefährdung ist eine Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld. Wird dabei ein anderer konkret gefährdet und war das Verhalten rücksichtslos, wird daraus eine Straftat nach § 315c StGB. Dichtes Auffahren oder Ausbremsen, um andere unter Druck zu setzen, kann zudem eine Nötigung sein.
- § 315c StGB – Gefährdung des Straßenverkehrs
- § 69 StGB – Entziehung der Fahrerlaubnis
- § 69a StGB – Sperre für die Erteilung einer Fahrerlaubnis
- § 111a StPO – Vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis
Rechtsstand der redaktionellen Prüfung: 1. November 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.