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Im Rhein-Erft-Kreis werden Traffistar S350-Säulen eingesetzt. (Symbolbild)
Blitzer

Blitzer-Bilanz 2025 im Rhein-Erft-Kreis: Hohe Einnahmen, höhere Kosten?

Oliver Godolt, Fachredakteur für Verkehrsrecht bei Blitzerkatalog.org
Oliver Godolt Fachredakteur für Verkehrsrecht

Rhein-Erft-Kreis: 5,3 Mio. Blitzer-Einnahmen trotz Pannen & Vandalismus. Ein Blick auf die Hotspots und warum neue Anlagen auch anfällig für Messfehler sind.

Im Rhein-Erft-Kreis werden Traffistar S350-Säulen eingesetzt. (Symbolbild)
Im Rhein-Erft-Kreis werden Traffistar S350-Säulen eingesetzt. (Symbolbild)

Blitzer-Bilanz 2025: Rhein-Erft-Kreis

  • Einnahmen: Rund 5,3 Millionen Euro (nahezu konstant zum Vorjahr).
  • Hotspots: B265n (Hürth-Hermülheim) und B59 (Stommeln) im Fokus.
  • Kostenfaktor: Hoher Aufwand durch Vandalismus und Personal (ca. 2 Mio. €).

Während die Digitalisierung der Verkehrsüberwachung bundesweit voranschreitet, blickt der Rhein-Erft-Kreis auf eine finanziell stabile, aber inhaltlich diskutable Bilanz zurück. Im Jahr 2025 flossen rund 5,3 Millionen Euro an Buß- und Verwarngeldern in die Kreiskasse. Doch trotz moderner Messanlagen stagniert die Zahl der Verstöße auf hohem Niveau – ein Indiz dafür, dass die erhoffte Abschreckungswirkung teilweise verpufft.

Für Kämmerer Martin Gawrisch sind die Einnahmen eine verlässliche Größe im Haushaltsplan, doch die Verwaltung betont: Es geht um Sicherheit, nicht um Gewinn. Kritiker und Verkehrsclubs wie der ADAC hinterfragen jedoch den pädagogischen Nutzen, wenn Bußgeldbescheide oft erst Wochen nach dem eigentlichen Verstoß im Briefkasten landen.

Statistik-Check: Verstöße und Einnahmen (2023–2025)

Jahr Verstöße (Gesamt) Einnahmen (Bußgeld) Besonderheit
2023 84.052 ca. 5,6 Mio. € Hohes Niveau nach Pandemie
2024 86.853 ca. 5,4 Mio. € Start neuer Anlagen (B59)
2025 81.558 5,3 Mio. € Rückgang durch Wartung/Vandalismus

Hotspots und technische Hürden: B59 & B265n

Besonderes Augenmerk liegt auf der B265n (Ortsumgehung Hürth-Hermülheim) und der B59 bei Pulheim-Stommeln. Letztere sorgte für Schlagzeilen, da sie aufgrund von Kompatibilitätsproblemen mit dem Netzbetreiber monatelang „verpackt“ war, bevor sie scharf geschaltet werden konnte.

Ein wachsendes Problem für den Kreis ist der Vandalismus. Neu in Betrieb genommene Geräte wurden 2024 und 2025 mehrfach mutwillig beschädigt. Diese Sachkosten, kombiniert mit steigenden Personalkosten in der Bußgeldstelle (mittlerweile ca. 2 Millionen Euro jährlich), schmälern den Netto-Ertrag der Verkehrsüberwachung deutlich.

Experten-Einschätzung: Warum sich Einsprüche lohnen können

Unser Blitzer-Experte Andreas Junge (Rechtsanwalt für Verkehrsrecht) sieht in der aktuellen Bilanz des Rhein-Erft-Kreises spezifische Ansatzpunkte für Betroffene:

  • Fehlender pädagogischer Effekt: Wenn zwischen Messung und Bescheid zu viel Zeit vergeht, ist der Vorwurf der „reinen Einnahmenerzielung“ juristisch zwar schwer haltbar, doch Formfehler in der massenhaften Bearbeitung häufen sich.
  • Technische Protokolle bei neuen Anlagen: Gerade bei Anlagen wie an der B59, die Startschwierigkeiten hatten, müssen die Eichprotokolle und Software-Versionen (Stand April 2026) penibel geprüft werden.
  • Anhaltekontrollen vs. Blitzerfoto: Da die Polizei im Kreis nur etwa 56 % der Verstöße direkt vor Ort ahndet, bleibt bei den restlichen 44 % (stationär/mobil) die Fahreridentifizierung oft die größte Schwachstelle der Behörde.

Zukunftsausblick: Weitere Blitzer geplant?

Trotz der Kritik schließt der Kreis den Bau weiterer stationärer Anlagen nicht aus. Die Entscheidung hänge laut Verwaltung von der technischen Machbarkeit (Stromversorgung im Außenbereich) und der Abstimmung mit der Polizei ab. Der Trend geht dabei weg von der reinen Geschwindigkeitsmessung hin zu Systemen, die flexibler auf verschiedene Wetter- und Verkehrslagen reagieren können.

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