Neuer Blitzeranhänger für Arnstadt: Das steht in der Ausschreibung
- Auftraggeber: Stadt Arnstadt.
- Gesucht: eine semistationäre Geschwindigkeitsüberwachungsanlage.
- Mietdauer: zunächst 24 Monate vom 26. Oktober 2026 bis 26. Oktober 2028.
- Besonderheit: zwei Messsysteme sollen zwei Fahrtrichtungen gleichzeitig überwachen können.
- Autarker Betrieb: Akkus für bis zu sieben Tage Messbetrieb.
- Angebotsfrist: 17. September 2026, 09:45 Uhr.
- Messgerät: Hersteller und konkreter Gerätetyp stehen bislang nicht fest.
In Arnstadt könnte schon bald ein neuer semistationärer Blitzeranhänger zum Einsatz kommen. Die Stadtverwaltung hat eine öffentliche Ausschreibung für die Miete einer Geschwindigkeitsüberwachungsanlage veröffentlicht. Und die technischen Anforderungen zeigen: Gesucht wird nicht einfach ein gewöhnliches mobiles Messgerät.
Der geplante Anhänger soll gleich zwei Messsysteme aufnehmen und damit nach den Vergabeunterlagen zwei Fahrtrichtungen gleichzeitig überwachen können. Hinzu kommen zwei Blitzeinheiten, LTE-Datenübertragung, GPS-Ortung und eine Akkuversorgung für bis zu sieben Tage.
Arnstadt will den Blitzer nicht kaufen, sondern zwei Jahre mieten
Besonders interessant ist das vorgesehene Beschaffungsmodell. Die Stadt Arnstadt möchte die Anlage zunächst nicht kaufen, sondern für einen Zeitraum von 24 Monaten mieten.
Als geplanter Beginn der Vertragslaufzeit ist der 26. Oktober 2026 angegeben. Das reguläre Vertragsende ist für den 26. Oktober 2028 vorgesehen. Darüber hinaus nennt die Ausschreibung die Möglichkeit von bis zu zwei Verlängerungen.
Der Mietpreis umfasst dabei weit mehr als nur die Bereitstellung des Anhängers. Der künftige Auftragnehmer soll während der Vertragslaufzeit auch zahlreiche laufende Kosten und technische Aufgaben übernehmen.
Was muss der neue Blitzeranhänger können?
Die Leistungsbeschreibung der Stadt ist ungewöhnlich detailliert. Vorgesehen ist ein Kfz-Anhänger, der sowohl als Transportmittel als auch als geschütztes Gehäuse für die komplette Messtechnik dient.
| Anforderung | Vorgabe der Stadt Arnstadt |
|---|---|
| Messsysteme | Zwei Systeme für die gleichzeitige Überwachung von zwei Fahrtrichtungen |
| Blitzeinheiten | Zwei |
| Stromversorgung | Wiederaufladbare Akkus für bis zu sieben Tage Messbetrieb |
| Datenübertragung | LTE-Router inklusive SIM-Karte |
| Ortung | GPS |
| Vandalismusschutz | Rüttelmelder, Feuerlöschanlage und Warnanlage |
| Fahrwerk | Elektrohydraulisch mit Fernbedienung |
| Aufstellung | Niveauausgleichsstützen und einklappbare, gesicherte Deichsel |
Vor allem die Kombination aus zwei getrennten Messsystemen und zwei Blitzeinheiten fällt auf. Die Stadt schreibt ausdrücklich eine Anlage aus, mit der zwei Fahrtrichtungen gleichzeitig kontrolliert werden können.
Damit könnte der Anhänger beispielsweise an Straßen eingesetzt werden, auf denen sowohl der ankommende als auch der entgegenkommende Verkehr überwacht werden soll, ohne das Gerät dafür neu ausrichten oder versetzen zu müssen.
Bis zu sieben Tage messen, ohne umgesetzt zu werden
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Energieversorgung. Die Akkus des Anhängers sollen laut Ausschreibung einen Messbetrieb von bis zu sieben Tagen ermöglichen.
Genau darin liegt einer der wesentlichen Vorteile semistationärer Anlagen. Sie sind mobil genug, um regelmäßig an unterschiedliche Kontrollstellen transportiert zu werden, können nach der Aufstellung aber deutlich länger an einem Standort verbleiben als eine klassische mobile Messung mit Stativ und ständig anwesendem Personal.
Der neue Arnstädter Anhänger soll zudem über einen LTE-Router verfügen. Damit ist eine Datenfernübertragung vorgesehen, ohne dass sämtliche Daten erst nach Ende eines Einsatzes direkt am Gerät ausgelesen werden müssen.
GPS, Rüttelmelder und Feuerlöschanlage gegen Vandalismus
Auch beim Schutz des Gerätes macht die Ausschreibung klare Vorgaben. Verlangt werden unter anderem GPS-Ortung, ein Rüttelmelder, eine Feuerlöschanlage und eine Warnanlage.
Das ist bei Blitzeranhängern keine Nebensache. Semistationäre Messanlagen stehen teilweise mehrere Tage unbeaufsichtigt im öffentlichen Verkehrsraum und müssen deshalb nicht nur gegen Witterungseinflüsse, sondern auch gegen Manipulation und Beschädigungen geschützt werden.
Mit dem GPS-System kann zudem die Position des Anhängers technisch überwacht werden. Ein Rüttelmelder kann Bewegungen oder Manipulationsversuche erkennen.
Mietfirma soll sogar Eichung und Reparaturen übernehmen
Interessant wird das Mietmodell auch bei den laufenden Pflichten. Nach den Vergabeunterlagen soll der Auftragnehmer während der Vertragslaufzeit sämtliche notwendigen Wartungs- und Reparaturarbeiten übernehmen.
Auch die regelmäßige Eichung soll vom Auftragnehmer organisiert und bezahlt werden. Hinzu kommen unter anderem Hauptuntersuchung, Kfz-Steuer, Versicherung sowie der Austausch technisch notwendiger Verschleißteile.
Muss eines der Messgeräte wegen einer Reparatur oder Eichung ausfallen, verlangt die Stadt außerdem die Bereitstellung eines Leihmessgerätes. Damit soll offenbar verhindert werden, dass die Geschwindigkeitsüberwachung während längerer technischer Ausfallzeiten vollständig unterbrochen werden muss.
Auch die Schulung des Messpersonals gehört zum Vertrag
Zur Ausschreibung gehört außerdem die Schulung der Beschäftigten, die später mit der Anlage arbeiten und Messungen auswerten sollen.
Bemerkenswert ist eine konkrete Vorgabe: Für die Teilnahme an den Schulungen soll ein entsprechendes Schulungszertifikat zur Vorlage bei Gericht ausgestellt werden. Teile der Ausbildung dürfen nach den Vorstellungen der Stadt auch als zertifiziertes Web-Based-Training oder als Blended Learning angeboten werden.
Der Preis dieser Schulungen fließt direkt in die Vergabe ein. Als Zuschlagskriterium nennt die Stadt zu 100 Prozent den Preis beziehungsweise die Mietkosten einschließlich der Schulungskosten.
Welches Messgerät bekommt Arnstadt?
Das ist derzeit noch die entscheidende offene Frage. Die Ausschreibung schreibt zwar sehr präzise vor, welche Funktionen die Anlage erfüllen muss. Ein bestimmter Hersteller oder ein bestimmtes Geschwindigkeitsmessgerät wird in der veröffentlichten Bekanntmachung jedoch nicht genannt.
Deshalb wäre es aktuell verfrüht, den geplanten Anhänger beispielsweise einem PoliScan-, TraffiStar- oder einem anderen Messsystem zuzuordnen. Erst nach Abschluss des Vergabeverfahrens dürfte klar werden, welcher Anbieter den Zuschlag erhält und welche Technik tatsächlich geliefert wird.
Genau diesen Punkt werden wir nach Abschluss der Ausschreibung aktualisieren.
Arnstadt und Greiz: Zwei unterschiedliche Modelle in Thüringen
Arnstadt ist nicht die einzige Thüringer Stadt, die 2026 neue Wege bei der Geschwindigkeitsüberwachung geht.
In Greiz wurden im Juni vier neue stationäre TraffiStar-S350-Anlagen in Betrieb genommen. Dort werden die Anlagen vom Hersteller Jenoptik bereitgestellt. Die Stadt zahlt nach dem zugrunde liegenden Modell eine vertraglich vereinbarte Pauschale für Verkehrsverstöße, die zur Ordnungswidrigkeitenverfolgung übergeben werden.
Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Vier neue Blitzer in Greiz: So funktioniert das Fallpauschalen-Modell.
Arnstadt setzt nach den aktuellen Vergabeunterlagen dagegen auf ein klassischeres Mietmodell: Ein semistationärer Anhänger wird für zunächst zwei Jahre bereitgestellt, während Wartung, Eichung, Reparaturen und weitere Betriebskosten Bestandteil des Vertrages sind.
Der Vergleich zeigt, dass Kommunen neue Blitzertechnik nicht zwingend selbst kaufen müssen. Neben klassischen Kaufmodellen kommen inzwischen unterschiedliche Miet-, Bereitstellungs- und Servicemodelle zum Einsatz.
Wann könnte der neue Blitzer in Arnstadt starten?
Die Angebotsfrist läuft bis zum 17. September 2026 um 09:45 Uhr. Die Angebotsöffnung ist für denselben Tag um 10 Uhr vorgesehen.
Wenn das Vergabeverfahren planmäßig verläuft, soll die Mietdauer am 26. Oktober 2026 beginnen. Daraus lässt sich allerdings noch nicht sicher ableiten, dass der Blitzer bereits an diesem Tag auf einer Straße misst. Lieferung, Einweisung, Eichung und die konkrete Einsatzplanung können zusätzlich Zeit beanspruchen.
Auch die künftigen Messstandorte und Tempolimits nennt die Ausschreibung bislang nicht. Sobald Stadt oder Vergabestelle hierzu konkrete Angaben veröffentlichen, lässt sich der Beitrag entsprechend ergänzen.
Weitere bereits dokumentierte Messstellen im Bundesland finden Sie in unserer Übersicht der Blitzer in Thüringen.
Später vom neuen Arnstädter Blitzer erfasst?
Sobald die neue Anlage im Einsatz ist, können bei einem konkreten Bußgeldverfahren unter anderem Messgerät, Eichung, Messunterlagen, Fahrzeugzuordnung und der jeweilige Standort relevant sein.
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